Biesenhorsts Geschichte

Foto der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Kleingartenanlage Biesenhorst II. Diese liegt auf einem Tisch im Garten. Daneben steht die Jubiläums-Keramiktasse, in der mehrere bunte Jubiläums-Kugelschreiber stehen. Im Hintergrund sind Blumen zu sehen.

Unser 100 jähriges Jubiläum: 1924-2024

2024 feierten wir im Rahmen unseres Sommer- und Kinderfestes auch das 100jährige Jubiläum unserer Kleingartenanlage.  Biesenhorst blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück und es gibt noch manche Zeitzeugen, die von damals berichten können. 

Einer davon kommt in unserer Festschrift ‚100 Jahre Biesenhorst‘ zu Wort. Darüber hinaus berichten wir über die Geschichte der Schrebergärten, dokumentieren unsere  Vereinsgeschichte in Wort und Bild und xx. Wer unsere Festschrift gerne lesen möchte, kann sie sich bei einer unserer Vorstandssprechstunden im Vereinsheim gegen einen Druckkostenbeitrag von 2€ abholen. Für schlappe 5€ bekommt ihr neben der Festschrift auch noch unsere Jubiläumstasse und einen Jubiläums-Kugelschreiber dazu. 

Vom Flugplatz zur Siedlung

Unsere jetzige Kleingartenanlage wurde 1924 auf einem ehemaligen Flugfeld errichtet. Er gehörte zu einem Gelände, auf dem Wilhelm von Siemens 1907 mit dem Bau von Luftschiffen begonnen hatte. 1908 baute er ein Militärluftschiff, das in einer drehbaren Halle montiert worden war und am 23. Januar 1911 seinen ersten erfolgreichen Flug von Biesdorf nach Karlshorst und zurück absolvierte. Die Halle (siehe Bild) hatte die beträchtlichen Ausmaße von 135m Länge, 26m Breite und 25m Höhe. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs wurde die Luftschiffhalle gemäß des Versailler-Vertrags vom 28. Juni 1919 demontiert und das Gelände an die Stadt Berlin zum Zwecke der Besiedlung verkauft.

Mitte der 1920er Jahre war die Arbeitslosigkeit hoch und es gab viele arme Familien, die in den Mietskasernen der Berliner Innenstadt mit ihren bis zu fünf Hinterhöfen in nur einem oder zwei Zimmern lebten. In der anschwellenden Weltmetropole Berlin fehlten mehr als 100.000 Wohnungen. Der Berliner Magistrat entschied daher im Jahr 1924, eine „Arbeitslosensiedlung“ vor den Toren der Stadt zu schaffen, die zum Dauerbewohnen gedacht war.

Auf dem ehemaligen Flughafengelände Friedrichsfelde-Karlshorst wurden im März 1924 die ersten Parzellen für die Siedlung ‚Buschfelde‘ abgesteckt. Im Jahre 1926 übernahmen die Siedler das Gesamtgelände vom Magistrat. Was damals nicht bekannt war: Der Magistrat hatte die Absicht, auf den Parzellen zu einem späteren Zeitpunkt Reihenhäuser für vermögendere Bürger zu bauen. Die mühsam errichteten Lauben sollten dann als Schuppen dienen. Dazu kam es aber nie.

Heute existieren nur noch die sechs Flugzeughallen nördlich und südlich der Straße ‚Am alten Flugplatz‘, in denen damals Flugzeuge montiert wurden. Die Hallen mit den runden Kuppeln stehen seit 1997 unter Denkmalschutz und sollen in das Neubaugebiet ‚Gartenstadt‘ integriert werden.

Ein schwarz-weiß Foto der ehemaligen Zeppelinhalle, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Flugfeld Biesenhorst stand.

Von der Siedlung zur Kleingartenanlage

Die erste Anlage bestand aus vier Bezirken mit insgesamt 30 Pachtabteilungen. Jeweils 12 bis 49 Parzellen umfasste eine Abteilung. Biesenhorst gehörte in jenen Jahren zu den größten Siedlungskolonien Berlins. Jede Parzelle hatte damals 1.000 qm Fläche. Die Parzellen heute sind wesentlich kleiner. Die durchschnittliche Parzellengröße beträgt rund 450 qm.

Bereits nach 1933 war durch das Eingliedern von Biesenhorst in die Grenzmark der Kleingärtner das Errichten von massiven Bauten verboten. Nach diesem Zeitpunkt begann eine wechselhafte Geschichte. Wichtige Meilensteine dabei waren z.B. der Bau der Umgehungsbahn der Deutschen Reichsbahn 1936. Durch den Bau der Bahnanlagen in den 30er Jahren wurde die Anlage mittig zerschnitten. Im Stadtplan ist die Bahnanlage mit Rangierbahnhof gut zu erkennen.

Durch die stadtbezirkliche Zuordnung von Karlshorst nach Lichtenberg im Jahr 1956 wurde die Anlage in Biesenhorst I und Biesenhorst II umbenannt. Biesenhorst II wurde zu diesem Zeitpunkt zur Kleingartenanlage und trat dem Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter bei. Nach der Wende 1990 entschieden sich die Kleingärtner in Biesenhorst I dafür, ihren Vereinsstatus aufzugeben. Darum existiert Biesenhorst I nicht mehr als Kleingartenanlage. Der Umriss der heutigen Kleingartenanlage Biesenhorst II ist rot im Plan eingezeichnet.

Seit 1990 nimmt neben der kleingärtnerischen Bewirtschaftung auch Erholung und Entspannung einen wichtigen Teil seitens der Pächter ein. Biesenhorst I existiert als Kleingartenanlage nicht mehr. Nach der Wende entschieden sich die Kleingärtner dort dafür, ihren Vereinsstatus aufzugeben und den Pächtern freizustellen, ihre Parzellen als Eigentum zu erwerben.

Der Eingang zur Kleingartenanlage Biesenhorst II. Man sieht einen Schaukasten mit diversen Aushängen mit dem Namensschild des Kleingartenvereins darüber. Im Hintergrund sieht man eine Parzelle und mehrere Verkehrsschilder.

Biesenhorst heute

Unsere Kleingartenanlage Biesenhorst II verfügt heute über 300 Parzellen und gehört zum Stadtbezirk Lichtenberg. Unsere Gartenfreunde und -freundinnen stammen aus über zehn verschiedenen Nationen und tragen mit ihrem kulturellen Hintergrund und ihrer persönlichen Geschichte zu einer lebendigen und offenen Gartengemeinschaft bei.