Die Geschichte der 'Schrebergärten'

Bereits im Jahr 1800 gab Landgraf Carl von Hessen seine Zustimmung, in Kappeln an der Schlei (Schleswig-Holstein) Gartenparzellen an arme Bürger zu verpachten. Durch den Gartenbau sollten sie ihre Ernährung und ihr Einkommen verbessern. Solche Armengärten entstanden im 19. Jahrhundert auch in anderen deutschen Städten – darunter Berlin, Dresden und Frankfurt am Main.

1864-1870: Die Geburtsstunde der Schrebergärten

Der erste ‚Schreberplatz‘ wurde 1864 vom Leipziger Schuldirektor Ernst Innocenz Hauschild angelegt. Dieser sollte zur Aktivität im Freien ermuntern. Die Namensgebung des Platzes erfolgte zu Ehren seines, zu der Zeit bereits verstorbenen Schwiegervaters, des Orthopäden und Pädagogen Daniel Gottlob Moritz Schreber. Denn dieser hatte zu seinen Lebzeiten die Idee verfolgt, den durch die Industrialisierung hervorgerufenen Ernährungs- und Bewegungsmangel bei Kindern durch Leibesertüchtigung abzumildern. Letztere sollte durch Arbeit im Grünen erfolgen, da das Umfeld der Mietskasernen wenig entsprechende Möglichkeiten bot. Kurze Zeit nach der Anlegung des ‚Schreberplatzes‘ funktionierte der Lehrer Heinrich Karl Gesell kleine Flächen des Platzes in Schulgärten um. Als die Kinder einige Jahre später den Spaß an der Gartenarbeit verloren, nutzen die Eltern die Gärten, um Obst und Gemüse anzubauen. 

Naturheilbewegung gründete erste Vereine

Auch die Naturheilbewegung versuchte den negativen Auswirkungen von Industrialisierung und Urbanisierung zu begegnen. Gartenarbeit wurde als gesundheitsfördernd angesehen und sollte vor allem der Tuberkulose-Prävention dienen. Licht, Luft, Wasser, Bewegung und Ernährung waren in den Augen ihrer Anhänger die fünf Grundlagen für körperliche und geistige Gesundheit. Insbesondere in Sachsen waren Naturheilvereine stark vertreten und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine vielfältige Vereinsszene.

1919: erstes Kleingartengesetz 

1911 gab es deutschlandweit bereits 30.000 Arbeitergärten, die in Vereinen organisiert waren. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war die Bedeutung der Gartenvereine für die Versorgung der Bevölkerung stark gestiegen. Das erkannte auch die Politik. So wurde am 31. Juli 1919 das Gesetz über die „Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung“ verabschiedet. Es bot dem Kleingartenwesen erstmals einen deutschlandweit einheitlichen gesetzlichen Rahmen und gilt als Vorläufer des heutigen Bundeskleingartengesetzes.

1921: erster nationaler Verband der Kleingärtner

Die vielfältigen Naturheilbewegungen schlossen sich 1921 zum Reichsverband der Kleingärtner Deutschlands zusammen. Während der Zeit des Nationalsozialismus erfolgte die Umbenennung des Reichsverbandes in Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler Deutschlands. Demokratische Vereinsstrukturen wurden durch das Führerprinzip ersetzt. Sie entstanden erst wieder nach Kriegsende als 1949 in der Bundesrepublik Deutschland der „Verband Deutscher Kleingärtner“ gegründet wurde, der sich 1973 in „Bundesverband Deutscher Gartenfreunde“ (BDG) umbenannte. In der Deutschen Demokratischen Republik waren die Kleingärtner seit 1959 im „Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter“ organisiert. Im Zuge der Wiedervereinigung 1990 wurde der Weg frei für ein einheitliches deutsches Kleingartenwesen unter dem Dach des Bundesverbands der Kleingartenvereine Deutschlands.

Vom Zufluchtsort und Nahrungsmittel-Lieferant zum Erholungsort

Lange Zeit waren Kleingärten wichtige Lieferanten für Nahrungsmittel. Zudem waren sie Zufluchtsorte für arme und kranke, ausgebombte oder vertriebene Menschen. Das ist glücklicherweise lange her. 

Heutzutage ist der Anbau von eigenem Obst und Gemüse eigentlich nicht mehr notwendig und das dauerhafte Wohnen auf der Parzelle ist ein Privileg aus der Vergangenheit, das nur wenige noch besitzen. Trotzdem gibt es weiterhin Kleingärten. 

Denn auch heute sind Kleingärten für viele Stadtbewohner ein wichtiger Erholungsort im Grünen. Und wer sein eigenes Gemüse und Obst anbaut, tut nicht nur Gutes für die Umwelt. Biologisch angebautes, regionales und frisches Obst und Gemüse zu essen, ist gesund, lecker und nachhaltig.